Europäische Aktien: Welche Branchen den Unterschied machen

Europa wird oft als weniger interessante Wachstumsquelle angesehen als die US-Märkte. Doch mit einem stimmigen Bottom-Up-Ansatz können Aktienanleger in ganz Europa hochwertige Aktien finden, die von Unternehmen mit einem starken und unterschätzten langfristigen Wachstumspotenzial getragen werden. AllianceBernstein | 11.04.2024 13:15 Uhr
Thorsten Winkelmann, Chief Investment Officer—Europe and Global Growth bei AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein
Thorsten Winkelmann, Chief Investment Officer—Europe and Global Growth bei AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein

Die europäischen Aktienmärkte stehen seit Jahren im Schatten der USA. Als der MSCI Europe Index im Jahr 2023 um 15,8 Prozent in Euro zulegte, stieg der S&P 500 um 26,3 Prozent in US-Dollar. Die Diskrepanz in der Wertentwicklung des Index spiegelte das schleppende Gewinnwachstum in Europa wider, während die US-Märkte durch eine kleine Gruppe von Mega-Cap-Aktien, die als große Nutznießer der Künstlichen Intelligenz gelten, beflügelt wurden.

Der konjunkturelle Hintergrund machte die Sache nicht einfacher. Europa wurde durch ein relativ langsames BIP-Wachstum gebremst, und die regionalen Aktienmärkte haben einen größeren Anteil an konjunktursensiblen Aktien als die USA. Doch wie können Anleger dennoch einen europäischen Baustein wertschöpfend in ihre Aktienallokation einfügen?

Einige Branchen und Unternehmen agieren konjunkturunabhängig

Europa bietet in der Tat attraktive Wachstumsbereiche für Anleger, die wissen, wie man sie findet. Mehrere europäische Branchen – darunter Industrie, Halbleiter und elektrische Ausrüstungen – werden laut Konsensschätzungen (Abbildung 1) bis 2026 ein robustes Gewinnwachstum verzeichnen. Diese Branchen werden deutlich über den mageren BIP-Wachstumsprognosen der Region liegen. 

Abbildung 1: MSCI Europe Branchengruppen/Konsensschätzungen für das Gewinnwachstum pro Aktie. Quelle: Bloomberg, MSCI, Thomason Reuters I/B/E/S, AllianceBernstein (AB). 


Wie kommt es, dass diese Branchen trotz lahmer Konjunktur ein so schnelles Wachstum verzeichnen? Einige haben strukturelle Wachstumsfaktoren, die nicht an das makroökonomische Wachstum gebunden sind, wie technologische Trends, Innovationen im Gesundheitswesen, industrielle Automatisierung und die Energiewende.

Darüber hinaus sind viele Unternehmen in diesen Branchen weltweit tätig, sodass sie für ihre Verkäufe nicht auf die europäischen Binnenmärkte angewiesen sind. Die Unternehmen des MSCI-Europe-Universums erwirtschafteten im Jahr 2023 60 Prozent ihrer Umsätze außerhalb der Region – ein wesentlich höherer Anteil an Auslandsumsätzen als bei Unternehmen in den USA, Japan oder den Schwellenländern (Abbildung 2). Folglich hängt ihr Schicksal nicht wirklich von den makroökonomischen Aussichten in Europa ab.

Abbildung 2: Auslandsumsätze auf Basis des Aktienindex in Prozent. Quelle: Bloomberg, MSCI, Thomason Reuters I/B/E/S, AllianceBernstein (AB).


Qualitätsunternehmen liefern langfristige Wachstumsraten

Es reicht jedoch nicht aus, eine ansprechende Branchendynamik zu erkennen. Um europäische Unternehmen mit attraktivem langfristigen Potenzial zu entdecken, müssen Anleger innerhalb strukturell wachsender Branchen nach qualitativ hochwertigen Unternehmen suchen, die im Laufe der Zeit ein beständiges Gewinnwachstum erzielen können. Ausgewählte Unternehmen mit den richtigen Eigenschaften bieten Anlegern oft höhere und – was ebenso wichtig ist – dauerhaftere langfristige Wachstumsraten als ihre breiteren Branchengruppen. Diese Eigenschaften verstärkt in der Regel den Wertzuwachs, wenn Anleger diese Unternehmen mindestens fünf Jahre lang halten.

Unternehmen, die über klare Wettbewerbsvorteile in Branchen mit hohen Eintrittsbarrieren verfügen, sind gut positioniert, um ihr Wachstum in guten wie in schlechten Zeiten aufrechtzuerhalten. Die Fähigkeit des Managements und die Kapitaldisziplin sind wesentliche Merkmale, um unter wechselnden Bedingungen Wachstum zu erzielen. Starke fundamentale Kennzahlen, wie etwa die Aktien- sowie die Kapitalrendite, weisen auf Geschäftsmodelle hin, die einen langen Atem und eine gut zu verteidigende Marktposition haben. Insgesamt sind wir der Meinung, dass diese Merkmale zu hohen Cashflows beitragen, die im Laufe der Zeit zu einem starken Gewinnwachstum führen können – insbesondere in Branchen, die über eindeutige strukturelle Wachstumsfaktoren verfügen.

Halbleiter sind ein gutes Beispiel. Die Nachfrage nach immer anspruchsvolleren Halbleitern kommt aus vielen Richtungen, darunter die Kommerzialisierung von Künstlicher Intelligenz, die Migration zur Cloud und das massive Wachstum von Rechenzentren. Diese Trends werden wahrscheinlich auch unter verschiedenen konjunkturellen Bedingungen anhalten.

Die Herstellung von Halbleitern erfordert hochspezialisierte Geräte, wie zum Beispiel EUV-Scanner (Extrem-Ultraviolett-Lithografie). Das in den Niederlanden ansässige Unternehmen ASML, der einzige Hersteller von EUV-Scannern weltweit, hat diese Technologie in 25 Jahren unter Einsatz von Milliarden von US-Dollar für Forschung und Entwicklung entwickelt. Da EUVs mehr als 100.000 Teile haben, von denen viele kundenspezifisch angefertigt werden, glauben wir, dass die Technologie für Konkurrenten schwer zu kopieren ist, was ASML einen enormen Wettbewerbsvorteil in einem Markt mit zahlreichen Wachstumstreibern verschafft.

Industrielle Effizienzgewinne: Verborgene Quellen für greifbares Wachstum

Industrieunternehmen sind auf dem Radar der Anleger vielleicht nicht als wachstumsstarke Unternehmen zu erkennen. Doch Unternehmen, die ihren Kunden mit unverwechselbaren und innovativen Produkten, Technologien oder Dienstleistungen helfen, echte Effizienzgewinne zu erzielen, verfügen über starke Cashflow-Quellen. Diese Unternehmen sind vielleicht keine bekannten Namen, aber ihre Produkte tragen häufig dazu bei, dass Maschinen, Fahrzeuge und Gebäude eine bessere Wertschöpfung erzielen und die Kosten gesenkt werden können.

Nehmen wir Spirax Sarco, einen in Großbritannien ansässigen Hersteller von Produkten für die Dampfsteuerung. Das Unternehmen bietet mehr als 40.000 Produkte an, die in einer Reihe von Branchen - von der Lebensmittelherstellung bis zur Pharmazie - für kritische Fertigungsprozesse eingesetzt werden. Der Großteil der Einnahmen von Spirax Sarco stammt aus den Betriebsbudgets der Kunden, die weniger anfällig für zyklische Schwankungen der Gewinne sind als Investitionsausgaben. Das Direktvertriebsmodell des Unternehmens in den Schlüsselmärkten unterscheidet sich von anderen Anbietern und verzahnt das Unternehmen eng mit seinen Kunden. Außerdem ist davon auszugehen, dass der Geschäftsbereich Dampf- und Wärmelösungen des Unternehmens aufgrund der weltweiten Bemühungen zur Dekarbonisierung von Industrieprozessen von einer strukturellen Nachfrage profitieren wird.

Die europäische Wolkendecke durchdringen

Qualitätsunternehmen in Europa haben vielleicht nicht die Starpower der US-Mega-Caps. Das bedeutet jedoch andererseits, dass Anleger in Europa Unternehmen mit beeindruckenden Wachstumsraten zu relativ attraktiven Bewertungen finden können. Unserer Ansicht nach trägt der Kauf von dauerhaftem Wachstum zu attraktiven Aktienbewertungen dazu bei, dass diese Unternehmen für Aktienanleger mit einem langen Zeithorizont einen Mehrwert bieten. Ausgewählte Unternehmen in Europa haben in einer globalen Perspektive sehr wettbewerbsfähige Erträge erzielt.

Beim Investieren wie im Leben führen Klischees oft zu schädlichen Vorurteilen. Europas breite Aktienmärkte mögen unter einer regionalen Malaise leiden, die die Stimmung der Anleger trübt und die Markterträge dämpft, doch Anleger, die die Wolkendecke mit klar definierten Recherchezielen durchbrechen, werden feststellen, dass ausgewählte europäische Unternehmen mit überzeugendem langfristigem Ertragspotenzial darunter verborgen liegen.

Von Thorsten Winkelmann, Chief Investment Officer—Europe and Global Growth bei AllianceBernstein 

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